Distale Radiusfraktur

Präoperative Abklärung

  • Handgelenk a.p. in Neutralstellung (Schulter und Ellbogen 90° angewinkelt) / seitlich (angehobene Aufnahme in 23 Grad -> Wegweiser: Os pisiforme)
  • bei intraartikulärer Fraktur, nach Rücksprache mit OA: CT Handgelenk

Präoperative Massnahmen

Reposition, dorso-volare Gipsschiene, Radiologische Kontrolle in Gipsschiene, CRPS Prophylaxe

Klassifikation / Interpretation

Indikation zur operativen Behandlung

High Demand:
Ulna plus >2mm
Gelenksstufe >1mm
Frakturspalt >2mm
dorsale Abkippung >10°

Low Demand:
Ulna plus >4mm
Gelenksstufe >2mm
Frakturspalt >2mm
dorsale Abkippung >20°

Relative Indikation für operative Versorgung

  • Bilaterale Frakturen der oberen Extremitäten
  • Polytrauma
  • Mehr als 1 Instabilitätskriterium:
    – dorsale oder palmare Trümmerzone
    – Abbruch palmare oder dorsale Gelenklippe
    – basisnahe Fraktur vom Proc. styloideus ulnae
    – Redislokation nach Reposition

Indikation zur konservativen Behandlung

  • geringer Patientenanspruch
  • hohes Risikoprofil für eine Operation / Anästhesie

Operative Behandlung

  • 2° und 3° offene Fraktur
    – Debridement, Weichteildeckung, ggf Konsil Plastiker, Fixateur externe
  • Abhängig Frakturmuster
    – Volare, Dorsale, Radiäre Platte mit ggf Fix Ex.

 

Intraoperative Bildgebung

  1. Handgelenk a.p. in Neutralstellung (freier Einblick in DRUG)
  2. Handgelenk p.a. in Neutralstellung (freier Einblick in DRUG
  3. seitlich (angehobene Aufnahme in 23 Grad -> Wegweiser: Os pisiforme) sowie
  4. Dorsal Tangential View

Auf der verlinkten Seite jeweils unterschiedlich:

  • Aufklärung
  • Ruhigstellung:
    – Postoperativ in Handgelenksklettschiene
  • CRPS-Prophylaxe:
    – Redoxon 500mg 1xtgl. für 50 Tage [1,2]
  • Bewegungseinschränkung / Belastung / Physio:
    – (link zu Physioblaubuch distale Radiusfraktur)
  • Fadenentfernung: 12-14 Tage postoperativ
  • Nachkontrollen: 6 Wochen/ 12 Wochen/ evtl. ½ Jahr/ 1 Jahr postoperativ
  • OSME: frühestens nach 1 Jahr planen (bei dringender Indikation früher, beachte: Soong-Klassifikation II, dorsale/radiäre Sehnenirritationetc.)
  • Arbeitsunfähigkeit:
    • Büro: 1 Woche
    • Betroffene Extremitäten belastete Arbeit: 6 Wochen

Konservative Behandlung

  • Ruhigstellung:
    – Nach Reposition Ruhigstellung in dorsovolarer Gipsschiene
    – radiologische Stellungskontrolle innerhalb 5-7 Tagen nach Trauma zur Gipszirkularisation
    (in Notfall- oder Traumasprechstunde)

    – Ruhigstellung im Gips insgesamt 6 Wochen posttraumatisch
  • CRPS-Prophylaxe:
    Redoxon 500mg 1xtgl. für 50 Tage [1,2]
  • Nachkontrollen:
    – 5-7 Tage/ 6 Wochen/ 12 Wochen posttraumatisch
  • Bewegungseinschränkung ist gewährleistet durch Gips / Belastung / Physio:
    – falls 6 Wochen-Rx-Kontrolle eine gute Konsolidierung zeigt rascher Bewegungs- und Belastungsaufbau (Alle Bewegungsrichtungen im vollen Bewegungsausmass aktiv nach Schmerzgrenze ohne Widerstand für 2 Wochen, dann Vollbelastung)
  • Arbeitsunfähigkeit:
    • Büro: 1 Woche
    • Betroffene Extremität belastete Arbeit 6 Wochen

Literaturangaben

  1. Zollinger PE, Tuinebreijer WE, Kreis RW, Breederveld RS: Effect of vitamin C on frequency of reflex sympathetic dystrophy in wrist fractures: a randomised trial. Lancet. 1999, 354: 2025-2028. 10.1016/S0140-6736(99)03059-7.
  2. Cazeneuve JF, Leborgne JM, Kermad K, Hassan Y: Vitamin C and prevention of reflex sympathetic dystrophy following surgical management of distal radius fractures. Acta Orthop Belg. 2002, 68: 481-484.

 

Autor: Dr. med. F. Beeres (letzte Aktualisierung 11/2019)

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Veröffentlicht in Alles, Unterarm
Ein Kommentar zu “Distale Radiusfraktur
  1. Das ist ja mal ein informativer, sorgfältig mit Liebe zum Detail geschriebener Artikel. Vielen Dank! 🙂

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Bei alkoholisierten Patienten mit Schädelanprall können nach Ausschluss von Verletzungen im Schädel-CT Kopfschmerzen, Amnesie und vegetative Symptome in der Regel als Folge des Alkoholkonsums interpretiert werden. In diesen Fällen soll nicht Commotio als Hauptdiagnose dokumentiert werden, sondern: Schädelkontusion nach Sturz unter Alkoholeinfluss - Blutalkoholspiegel xxx o/oo Begründung: - Nach Ausschluss von Traumafolgen im CCT erfolgt die Aufnahme dieser Patienten in der Regel primär aufgrund der Selbst- und evtl. Fremdgefährdung im Rahmen des akuten Alkoholkonsums, und nicht zur neurologischen Überwachung - Diese Art der Dokumentation erlaubt eine DRG konformere Fallabrechnung. - Da DRG Abrechnungsdaten auch zur Erstellung von Diagnose- und Behandlungsstatistiken herangezogen werden, muss uns an einer medizinisch korrekten Erfassung dieser Fälle gelegen sein. Die Pflege ist im Übrigen angehalten darauf zu achten, dass zum Schutz der Patienten vor Regressforderungen der Versicherung privat oder halbprivat versicherte Patienten mit o.g. Diagnose nicht auf die Privatabteilung aufgenommen werden.
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