AC-Gelenkverletzung

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Präoperative Abklärung

keine Standard Panoramaaufnahmen oder belastete Aufnahmen mit Gewichten (Wasserträgeraufnahme)

  • Nach Rücksprache Oberarzt:
    • CT bei V.a. begleitende Verletzungen des Schultergürtels
    • Duplex-Sonographie oder Angio-CT bei V.a. Gefässläsionen
    • Neurokonsil evtl. EMG bei V.a. auf Plexusläsion
  • Klinische Untersuchung:
    • Integument intakt?
    • Klaviertastenphänomen
    • Tastbare posteriore Dislokation der Clavicula (Rockwood IV) pDMS
    • Begleitverletzungen ipsi- und/oder kontralateral (Thoraxtrauma, Scapulafrakturen): Floating shoulder? Flail chest?

 

Präoperative Massnahmen

  • Ultrasling oder Mitellaschlinge
  • Analgesie und Thromboseprophylaxe
  • Markierung der Operationsseite
  • Patientenaufklärung: Dog bone miniopen mit Revision CC und AC Bänder, ggf arthroskopisch assistiert
    • Operationsdauer: Ca. 90 min
    • Spitalaufenthaltsdauer: 2-4 Tage postoperativ
    • Komplikationsmöglichkeiten: Verletzung A./V. subclavia, Plexus brachialis,

Repositionsverlust, Infektion, delayed-union, non-union, Implantatversagen

 

Klassifikation/Interpretation

  • Rockwood (AC Gelenksverletzungen)
    • Typ I: Distorsion des Kapsel-/Bandapparates
    • Typ II: Ruptur Gelenkskapsel und Lig. acromioclaviculare
    • Typ III: Ruptur Gelenkskapsel und Lig. acromioclaviculare und Lig. coracoclaviculare
      • funktionelle Dislokation nach dorsal ohne Retention unter Trapezius (IV)
    • Typ IV: Dorsale Dislokation der lateralen Clavicula und Ruptur der Fascia deltatrapezoidalis und Dislokation nach dorsal mit Retention unter M. trapezius
    • Typ V: Typ III + Ruptur der Ansätze des M. trapezius und des M. deltoideus
    • Typ VI: Kaudale Dislokation der lateralen Clavicula unter Proc. coracoideus
  • Tossy I-III (veraltet)

 

Indikation zur operativen Behandlung

Frische Läsionen sollten < 10 Tagen versorgt werden

Absolut

Relativ

  • Rockwood III ohne funktionelle dorsale Dislokation
  • Para/Tetraplegiker
  • Schmerzen nach 4-6 Wochen
  • Delayed/Non union
  • Relevante funktionelle Einschränkungen
  • Beidseitige AC-Gelenksverletzungen

 

Indikation zur konservativen Behandlung

  • Rockwood I-II, Rockwood III gelegentlich bei dorsaler funktioneller Dislokation (Alexanderaufnahme)
  • Patientenspezifische Kontraindikationen zur operativen Versorgung

Operative Behandlung

  • Fadenflaschenzugsysteme: Dog bone button oder tight rope (Rekonstruktion CC und AC Bänder)
    • miniopen, ggf. arthroskopisch assistiert
    • kombiniert mit Plattenosteosynthese
  • Clavicular hook plate (Balser Hakenplatte)
    • selten
    • kleine laterale Clavicularesektion notwendig
    • offener Zugang
    • OSME obligat (12 Wochen)
  • Ultrasling postoperativ für 6 Wochen aus analgetischen Gründen, anschliessend Patientenkomfort mit physiotherapeutischen Beübung
  • Röntgen am 1. postoperativen Tag: Clavicula ap./cranio-caudal, AC-Gelenk Zielaufnahme (Zanca)
  • Thromboembolieprophylaxe solange Spitalaufenthalt
  • Verbandswechsel am 2. postoperativen Tag
  • Fadenentfernung nach 12-14 Tagen bei gesicherter Wundheilung durch den Hausarzt
  • Sprechstunde des Operateurs mit Röntgen nach 6 und 12 Wochen und ein Jahr
  • Arbeitsunfähigkeit
  • Bürotätigkeit: ca. 2 Wochen
  • Leichte körperliche Tätigkeit: 6 Wochen
  • Schwere körperliche Tätigkeit: > 12 Wochen (individuell)
  • Cave: Hakenplatte muss nach Frakturheilung und vor Mobilisation über 60 ° Abduktion zwingend entfernt werden (12 Wochen). In der Regel keine OSME bei dog bone button

Konservative Behandlung

  • Ultrasling für 6 Wochen Tag und Nacht
  • Pendelübungen unter physiotherapeutischer Anleitung
  • Sprechstunde mit Röntgen nach 1, 2 und 6 und 12 Wochen: Clavicula ap/cranio-caudal, AC-Gelenk Zielaufnahme
  • Arbeitsunfähigkeit
    • Bürotätigkeit: ca. 4-6 Wochen
    • Leichte körperliche Tätigkeit: > 6 Wochen
  • Schwere körperliche Tätigkeit: > 12 Wochen (individuell)

 

Autoren: Dr. med. Frank Beeres
Freigabe: Prof. Dr. med. Reto Babst
Luzerner Kantonsspital 11/2018

Veröffentlicht in AC-Gelenkverletzung, Obere Extremität, Schulter

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Präoperativ muss bei allen Patienten, bei denen eine Verwechslung der Seite möglich ist, die zu operierende Seite mit einem Kreuz mit wasserfestem Filzstift markiert werden. Die Markierung ist derart anzubringen, dass sie bei steril abgedeckten Patienten weiterhin sichtbar ist, aber nicht im Bereich der Inzisionen liegt. Prinzipiell ist dafür der Operateur zuständig. Bei Patienten, welche von den Chefärzten oder Leitenden Ärzten operiert werden, wird dies (wie auch das formelle Aufklärungsgespräch) vom zuständigen Assistenten oder Unterassistenten übernommen.