Weisung betreffend Umgang mit aussergwöhnlichen Todesfällen

Weisung betreffend Umgang mit aussergewöhnlichen Todesfällen (agT)

Aussergewöhnliche Todesfälle (agT) sind meldepflichtig. Die Meldung hat an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden (Staatsanwaltschaft) via Polizeinotrufnummer 117 zu erfolgen.

1. Definition aussergewöhnlicher Todesfall

Aussergewöhnliche und damit meldepflichtige Todesfälle sind:

1. Nicht natürlicher Todesfall = gewaltsamer oder auf Gewalt verdächtiger Tod. z.B. Unfall, Suizid, Delikt, Vergiftung, aber auch: unerwarteter/ungewöhnlicher Tod nach/bei medizini-schen Eingriffen.

2. Unklarer Tod: Plötzlicher und unerwarteter Todesfall, bei dem nichts auf eine äusserliche Gewalteinwirkung hindeutet, ein nicht-natürlicher Tod ist möglich

2. Rechtsgrundlagen

§ 27 Gesundheitsgesetz : Anzeigepflicht und Meldeberechtigung

“Bewilligungsinhaberinnen und -inhaber (Medizinalpersonen und andere bewilligungspflichtige Berufe) haben aussergewöhnliche Todesfälle umgehend der Strafverfolgungsbehörde zu mel-den.”

§1 Abs. 2 Verordnung über das Bestattungswesen des Kantons Luzern (SRL Nr. 840):

“Ist der Tod gewaltsam herbeigeführt worden, besteht Verdacht auf einen gewaltsamen Tod oder ist der Tod plötzlich und ohne sicher erkennbare Ursache erfolgt, meldet der Arzt oder die Ärztin den Fall der Strafverfolgungsbehörde”.

3. Allgemeine Hinweise

AgT bei Patienten oder bei Personen innerhalb der Institution LUKS können für das Personal und die Mitpatienten ein traumatisierendes Ereignis sein. Gerade in Situationen persönlicher Betroffenheit sind Handlungsanweisungen unterstützend für die Sofortmassnahmen, die zwin-gend eingeleitet werden müssen. Es gilt aber auch, den Anforderungen des Gesetzgebers Ge-nüge zu tun. Wird im Zusammenhang mit einem agT durch die Strafverfolgungsbehörden eine Obduktion angeordnet, so sind anders lautende Willensäusserungen der Angehörigen oder des Verstor-benen nicht zu beachten.

Den Angehörigen darf keine Zusage bezüglich Datum und Zeit der Bestattung gemacht werden. Der Leichnam wird zur Bestattung durch die Strafverfolgungsbehörden (Staatsanwaltschaft) freigegeben. Entsprechend sind die Angehörigen an diese Stelle zu verweisen. Seite 2 von 3

4. Vorgehen

4.1. Reanimationsalarm

Die anwesenden Personen leisten unverzüglich Erste Hilfe und lösen den REA-Alarm gemäss üblichem Standard aus. Die Reanimation hat absoluten Vorrang. Sie ist so lange fortzusetzen, bis eine Ärztin oder ein Arzt den Tod feststellt.

4.2. Meldepflicht / Informationswege

Der den Tod feststellende Arzt informiert bei Verdacht auf einen agT unverzüglich den zustän-digen Chefarzt oder dessen Stellvertreter. Dieser erstattet Meldung eines agT an die Strafver-folgungsbehörden (Staatsanwaltschaft via Polizeinotruf). Sind der Chefarzt oder dessen Stell-vertreter nicht erreichbar, meldet der ranghöchste verfügbare Arzt der betroffenen Klinik.

Der meldende Arzt informiert den Spitaldirektor.

Der meldende Arzt ist in Absprache mit dem zuständigen Staatsanwalt auch verantwortlich, dass die Angehörigen informiert werden.

Der Spitaldirektor informiert das GSD, wobei keine Personalien des Toten angegeben werden.

Die für den Bereich verantwortliche Pflegefachperson informiert auf ihrem Dienstweg die Lei-tung Departement Pflege, Soziales.

4.3. Tatortsicherung

Bei Verdacht auf einen agT ist der Raum zu verlassen und bis zum Eintreffen der Polizei zu verschliessen. Die Situation im Raum und die Lage des Leichnams dürfen nicht verändert wer-den. In Besonderen sind sämtliches medizinisches Gebrauchs- und Verbrauchsmaterial, Lei-tungen (Infusionen, Intubationstubus, Katheter, etc.) und Geräte (Anästhesiegerät, Herz-Lungen-Maschinen, Perfusor etc.) unverändert zu belassen und in keinem Fall zu entfernen. Das gilt auch für einen Todesfall im Operationssaal.

Der Staatsanwalt entscheidet über das weitere Vorgehen und eine allfällige Veränderung des Tatortes oder die Entfernung von Leitungen und Geräten. Der Leichnam darf nur dann in die Pathologie zur Legalinspektion gebracht werden, wenn der Staatsanwalt dazu ausdrücklich die Zustimmung erteilt hat. Andernfalls muss der Leichnam am Ort verbleiben.

Sofern der Staatsanwaltschaft einem Transport in die Pathologie zugestimmt hat, stehen fol-gende Räume für die Legalinspektion zur Verfügung:

 Standort Luzern: Raum angrenzend an den Kühlraum.

 Standort Wolhusen: Raum im zweiten Untergeschoss (U2) direkt gegenüber dem Besu-cherlift

 Standort Sursee: Aufbahrungsraum im ersten Untergeschoss (U1)

Eine allfällige telefonische Zustimmung durch den Staatsanwalt für dieses Vorgehen muss durch den zuständigen Arzt in der KG als Aktennotiz dokumentiert werden (Nennung Name Staatsanwalt, Zeitpunkt Anordnung, Inhalt Anordnung). Seite 3 von 3

4.4. Todesbescheinigung

Wird von der Staatsanwaltschaft ein Amtsarzt beigezogen, wird die Todesbescheinigung durch diesen ausgestellt und dem zuständigen Zivilstandesamt der Sterbegemeinde zugestellt.

Wird vom Staatsanwalt kein Amtsarzt beigezogen, stellt der zuständige Arzt des LUKS die To-desbescheinigung aus.

4.5. Information an die Medien und an Dritte

Für Informationen an die Medien, Dritte und spitalintern sind ausschliesslich die Unternehmens-kommunikation oder der Spitaldirektor zuständig. Diese stimmen die Kommunikation mit der Staatsanwaltschaft ab. Das Berufsgeheimnis ist zu beachten.

4.6. Betreuung der Angehörigen und weiterer Betroffener

Eine Pflegefachperson oder ein Arzt betreut und unterstützt die Angehörigen und vermittelt ein Gespräch beispielsweise mit der Seelsorge. Der zuständige Chefarzt oder dessen Stellvertreter bestimmt, welche Personen des Pflegeper-sonals oder des ärztlichen Dienstes zuständig sind, um Mitbetroffene (Mitarbeitende, Patienten) zu begleiten. Zur Unterstützung kann nach Möglichkeit oder auf Wunsch die Seelsorge beige-zogen werden.

Betroffene Mitarbeitende können eine professionelle Person für ein Debriefing anzufordern. Ebenso kann zu diesem Zweck mit der Leitung des personalärztlichen Dienstes direkt Kontakt aufgenommen werden. Über die verschiedenen Unterstützungsangebote für Mitarbeitende gibt zudem das Intranet (Mitarbeiterberatung) weitere Auskünfte.

4.7. Riskmanagement

Kommt es zu einer Strafuntersuchung, meldet das Riskmanagement den Fall bei der Haft-pflichtversicherung an (je nach Sachlage rein vorsorglich oder definitiv), unterstützt die Beteilig-ten des LUKS bei Anfragen seitens der Behörden, hält den Kontakt zur Staatsanwaltschaft und orientiert die Beteiligten des LUKS jeweils über das weitere Vorgehen bis die Untersuchung abgeschlossen ist.

4.8. Auskunftspersonen

 Riskmanagement Stab Medizin

 Leitung Stab Medizin

 Leitung Departement Pflege, Soziales

 Leitung Stab Direktion oder Leitung Recht

 

 

Luzern, 4. Februar 2016

Luzerner Kantonsspital

Benno Fuchs

Direktor/CEO

 

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