Humerusschaftfrakturen

Präoperative Abklärung

  • Röntgen: Humerus ap/seitlich; angrenzende Gelenke mit Zielaufnahmen bei Bedarf (Schulter ap/Neer, Olecranon ap/seitlich), ggf. CT
  • Klinische Diagnose: Detaillierte pDMS Kontrolle (evtl. Kompartmentüberwachung)

 

Präoperative Massnahmen

  • Ruhigstellung in Armschlinge bis zur Operation
  • Thromboembolieprophylaxe gewichtsadaptiert

 

Klassifikation Humerusschaftfrakturen

Link zur AO Klassifikation

AO 12-A: Einfache Spiral-oder Querfrakturen

AO 12 B: Keilfrakturen

AO 12 C: Komplexe Frakturen (bis in die Gelenksregion reichende Spiral-, Segmental o. Trümmerfrakturen)

 

Indikation zur operativen Behandlung

  • absolut
  • Dislocatio ad axim: > 20 ° anterior, > 30 ° varus
  • Dislocatio ad longitudinem: > 3 cm
  • Dislocatio ad perpheriam: > 40° Rotationsfehler
  • Gefässverletzung (V.a. Nervenbeteiligung ist keine Indikation zur Operation)
  • Offene Frakturen Grad II und III
  • Ungenügende geschlossene Reposition (evtl. Weichteilinterponat)
  • Floating shoulder or floating elbow ipsilateral
  • Bilaterale Frakturen der oberen Extremitäten
  • Polytrauma
  • Symptomatische Pseudarthrosen: Nonunion / Delayed union
  • Pathologische Frakturen
  • Distale Frakturen mit intraartikulärer Ausdehnung

 

  • Relativ
  • Quer- und kurze Schrägfrakturen (Pseudarthroserisiko)
  • Adipöse Patienten (Gefahr Varusfehlstellung)
  • Schmerzen
  • Non compliance

 

Indikation zur konservativen Behandlung

    • Therapie der Wahl
    • Isolierte, geschlossene Frakturen
    • Akzeptierbare Dislokation (s. Indikation zur operativen Behandlung
    • Patientenspezifische Kontraindikationen zur operativen Versorgung
    • Kooperativer Patient, der eine längere Ruhigstellung toleriert

 

Operative Behandlung

  • Fixateur externe:
    • Polytrauma und komplexe Frakturen
    • Kompromittierte Weichteile
    • Proximales Drittel: Pins von lateral
    • Distales Drittel: Pins von posterior oder mit offener Darstellung von lateral (N. radialis)
    • Vermeiden von Pins im mittleren Drittel
  • Plattenosteosynthese:
    • AO 12 A-C Frakturen
    • Einfache Frakturen: ORIF mit Kompressionsplatte
    • Mehrfragmentäre Frakturen: MIPO mit Bridging Plate
    • Pseudarthrosen: Non union/Delayed union
    • Ipsilaterale Gefäss- und/oder Nervenverletzung
    • Empfehlung: 8 Kortikales pro Hauptfragment
  • Anterograde Nagelung:
    • AO 12 A – einfache AO 12 B Frakturen
    • cave: Höheres Risiko einer Nervenverletzung als Plattenosteosynthese

Konservative Behandlung

  • Grundsätze nach Böhlers:
    • Die gewaltlose und schmerzfreie Reposition nach dem Zug- und Gegenzugprinzip (Einrichten).
    • Die ununterbrochene Ruhigstellung der Fraktur in funktioneller Achsenstellung der Bruchenden bis zu knöchernen Ausheilung.
    • Die aktive Bewegung aller nicht immobilisierten Gelenke, sowie isometrische Übungen der im Verband eingeschlossenen Muskelgruppen nach Massgabe der Beschwerden
  • Anpassung eines Sarmiento Brace nach 4-7 Tagen (evtl. nicht geeignet bei distalen Frakturen)
  • Keine Hanging Casts (Schwerkraft meist ausreichend)
  • Tragen der Orthese Tag und Nacht für mind. 6 Wochen, Abziehen zur Körperhygiene bei hängendem Arm erlaubt
  • Radiologische Stellungskontrolle nach 7 und 14 Tagen (Gefahr Varusfehlstellung und Innenrotationsfehler)

Vorteile

  • Heilungsrate > 90 %
  • Keine Hospitalisation und geringe Behandlungskosten
  • Gutes funktionelles Ergebnis

Nachteile

  • Pseudarthroserate bis zu 11 %
  • Eingeschränkte Beweglichkeit für mehrere Wochen (Ellenbogen- und Schulterkontrakturen)
  • Gefahr der Schmerzproblematik
  • Bedarf hoher Compliance
  • Lange Behandlungsdauer
  • Häufige Nachkontrollen und intensivierte Physiotherapie

 

Quellen: 

Fabio T Matsunaga et. al.

Treatment of the humeral shaft fractures – minimally invasive osteosynthesis with bridge plate versus conservative treatment with functional brace: study protocol for a randomised controlled trial; Trials. 2013 Aug 7;14:246. doi: 10.1186/1745-6215-14-246.

 

Erik Hohmann et al.

Minimally invasive plating versus either open reduction and plate fixation or intramedullary nailing of humeral shaft fractures: a systematicreview and meta-analysis of randomized controlled trials; J Shoulder Elbow Surg (2016) 25, 1634–1642

 

Hashmi et. al.

Functional and radiological outcome of Intramedullary nailing vs. plate fixation for humeral shaft fractures. Does treatment method bring any difference? J Pak Med Assoc. 2014 Dec;64(12 Suppl 2):S135-8.

 

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